Cécile Wajsbrot erhält den Prix de l’Académie de Berlin 2016.

Cécile Wajsbrot erhält den Prix de l’Académie de Berlin 2016. Die französische Schriftstellerin, Übersetzerin und Essayistin lebt abwechselnd in Paris und Berlin. Sie setzt sich intensiv mit Erinnern, Vergessen und dem Schweigen zwischen den Generationen in Deutschland und Frankreich auseinander. So hat in ihrem Roman L’Ile aux musées (Die Museumsinsel) die Plastik des Rufers vor dem Brandenburger Tor die Funktion eines Prologs. Sein Ruf öffnet den Raum für den stummen Ruf eines Kollektivs von Statuen zwischen Berlin und Paris, deren Stimmen die Autorin laut werden läßt, ja die Statuen dienen als Medium, um die deutsch-französische Geschichte in verfremdender Perspektive als regards croisés zu inszenieren. Cécile Wajsbrot ist wie George Perec eine Flaneuse, Stadtsemiotikerin und Spurensucherin, die insbesondere in Berlin und Paris Schichten einer leidvollen Vergangenheit freilegt und sie zum Gegenstand ihres Erzählens macht. Sie ist Verfasserin zahlreicher in Frankreich veröffentlichter Romane, Erzählbände und Essays, zuletzt erschienen der Essayband Berliner Ensemble (2015) und der im Gespräch mit Hélène Cixous entstandene Text „Une Autobiographie allemande (2016). In deutscher Übersetzung liegen u.a. der Caspar David Friedrich-Roman Mann und Frau, den Mond betrachtend  [Caspar Friedrich Strasse] (2003), Aus der Nacht (2008), Die Köpfe der Hydra (2012), Für die Literatur (2013) und Eclipse (2016) vor. Außerdem produziert Cécile Wajsbrot Hörspiele, die in Deutschland u.a. auf SR2, NDR und Deutschlandradio Kultur liefen.

2014 erhielt sie den Helmlé-Übersetzerpreis, 2014/2015 war sie Inhaberin der Samuel-Fischer-Gastprofessur am Peter-Szondi-Institut an der FU Berlin.

Der Prix de l’Académie de Berlin wird jedes Jahr von der Académie de Berlin an Personen, Personengruppen oder Institutionen aus Frankreich oder Deutschland vergeben, die in Kunst, Kultur, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Gesellschaft oder Kirchen tätig sind und nicht als professionelle Mittler für die deutsch-französischen Beziehungen arbeiten. Zu den bisherigen Preisträgern gehörten unter anderen Tomi Ungerer und Stéphane Hessel. Die Preisverleihung findet am 29. November 2016 in der Französischen Botschaft in Berlin statt. Die Laudatio wird die Romanistin Patricia Oster-Stierle, Mitglied der Académie de Berlin, halten.